DIE LINKE.  Bremen 


29. Juli 2010

Armut in den Stadtteilen – Zu Gast im Waller Obdachlosentreff ‚Tasse‘

v.l.n.r.: Lutz Drosdowsky, Michael Horn, Peter Erlanson, Inga Nitz

Leicht zu finden ist der Obdachlosentreff ‚Tasse‘ nicht, wenn man sich nicht in Walle auskennt. Gut, dass die Bürgerschaftsabgeordneten Inga Nitz und Peter Erlanson den Fraktionssprecher der LINKEN im Stadtteilbeirat, Michael Horn, an ihrer Seite hatten, der die zwei Parlamentarier am Dienstag bei ihrem Besuch in der sozialen Einrichtung begleitete.

Die beiden Bürgerschaftsabgeordneten nutzen derzeit die Parlamentsferien für eine ausgedehnte „Sommer- tour“ durch die Stadtteile. Ganz unterschiedliche Orte und Institutionen wollen die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion und der Vorsitzende der LINKEN in der Bürgerschaft unter die Lupe nehmen.


Vor Ort informierten sich die Politiker über die Tätigkeit der Initiative. An vier Tagen in der Woche öffnet die ‚Tasse‘ ihre Pforten, um Wohnungslosen die Möglichkeit zu bieten, sich satt zu essen, die eigene Wäsche zu waschen, sich zu duschen oder einfach auch mal zu reden.
Mindestens 30 Menschen nehmen täglich das Angebot wahr, weiß Lutz Drosdowsky, einer von gut 40 ehrenamtlichen Helfern zu berichten.  „Gegen Ende des Monats, wenn das Geld knapp wird, werden es mehr, im Winter könnten wir sogar Stehplätze vergeben“, erzählt der frühere Gymnasiallehrer. Vor allem Männer suchen den Treff auf, inzwischen kommen aber vermehrt auch Frauen. Dem 66-Jährigen stimmt es nachdenklich, dass die Hilfesuchenden dabei immer jünger werden.

Mit der Studentin Nele, die in der Einrichtung ein Praktikum absolviert, und einer 84-jährigen ehemaligen Pastorin bildet der Pensionär die ‚Frühschicht‘. Sie schmieren Stullen, kochen Tee und Kaffee, decken die Tische ein. Mit ihrer Arbeit wollen die Freiwilligen ein kleines Stück dazu beitragen, sozial-schwachen Menschen für einige Stunden das Leben erträglich zu gestalten.  Überhaupt, sie nennen die Hilfesuchenden ‚Gäste‘. „Um ihnen mit Respekt zu begegnen und ihnen nicht die Würde zu nehmen“, meint Drosdowsky.  Er empfiehlt Politiker aller Parteien, mal in der ‚Tasse‘ reinzuschauen, um sich ein Bild davon zu machen, wie Mittellosigkeit eigentlich wirklich aussieht, wie Armut sich anfühlt. „Ich habe nicht den Eindruck, dass viele von ihnen wissen, was Hunger tatsächlich bedeutet.“ 
Stolz zeigen die Helfer den Linksparteipolitikern die Kaffemaschine und Geschirrspülautomat. Diese neuen Küchengeräte sind nicht nur energiesparend, es erleichtert die Arbeit ungemein. Die Initiative lebt von Sach-, Lebensmittel- und Geldspenden. Gerade aus dem Stadtteil kommt viel davon, lobt Drosdowsky die Waller. Beispielsweise jährlich 500 Euro aus dem Globalmittelfond des Beirats.

Für die Vertreter der LINKEN wird einmal mehr deutlich, wie sehr die Spaltung der Gesellschaft voranschreitet. „Ich freue mich über das Engagement der Bürger. Es stimmt mich jedoch bedenklich, wenn Menschen nicht genug zu essen haben und ihnen oft ein Dach über den Kopf fehlt. Andererseits werden Reichen die Steuergeschenke nur so hinterhergeworfen“, meint Inga Nitz. Der Waller Kommunalpolitiker Michael Horn ergänzt, „dass bei einem weiter so die Stadtteile über kurz oder lang auseinanderzubrechen drohen.“ Peter Erlanson fordert für Bremen endlich einen ‚Masterplan Armut‘, um die Missstände in der Hansestadt wirkungsvoll zu bekämpfen. „Wer wie die Koalition einen ‚Masterplan Industrie‘ verabschiedet und wie die CDU einen ‚Masterplan Innenstadt‘ beschließen will, sollte sich endlich mal den Menschen und ihren wirklichen Problemen hinwenden. Schließlich wächst bereits heute in Bremen jedes dritte Kind in Armut auf, gut 100.000 Personen sind auf soziale Hilfsleistungen angewiesen. Ein Skandal, dass der Senat hier nicht energischer entgegengesteuert.“

Quelle: http://www.dielinke-bremen-nordwest.de/politik/aktuelles/detail/artikel/armut-in-den-stadtteilen-zu-gast-im-waller-obdachlosentreff-tasse-1/