9. November 2016

Mobilität von SeniorInnen wird stark eingeschränkt

Auf dem Raschenkampsweg

Verschnaufpause

Wir hatten schon mehrfach darüber berichtet, dass die BSAG in Bremen-Nord Buslinien streichen will. Eine davon ist die Linie 87, die die Seniorenheime und Wohnanlagen, Kindertagesstätten und eine Schule an das Mittelzentrum Vegesack anbindet. Bislang gibt es die Haltestelle Billungstraße in der Richthofenstraße, gut erreichbar über asphaltierte Straßen und Gehwege. Diese soll entfallen und statt dessen sollen die AnwohnerInnen nun den ca. 600 m entfernten angeblich barreirefreien Bahnhof St. Magnus der Regio-S-Bahn benutzen.

Mitglieder des Ortsverbandes Bremen-Nord der LINKEN nahmen das zum Anlass, um einmal SeniorInnen aus den Häusern Blumenkamp und St. Ilsabeenstift  zum Bahnhof zu begleiten. Wir starteten um 10 Uhr am Haus Blumenkamp in Begleitung einer Reihe von Damen mit Rollatoren. Es hatte am Morgen geschneit, so daß die Straßenverhältnisse sich absolut realistisch darstellten. Über den Hintereingang von Haus Blumenkamp gingen wir zur Straße Raschenkampsweg. Den dortigen Fußweg wollten die Damen lieber nicht benutzen, weil durch Laub und Schnee ziemlich glatt, sie gingen auf der Fahrbahn und sagten, dass sie das oft so machen würden, die Autofahrer würden dort  Rücksicht nehmen. Das erlebten wir auch, fanden die Situation aber nicht sehr sicher. Kurz vor dem Anstieg auf die Brücke über den Bahnhof stießen noch einige Bewohner vom Ilsabeenstift dazu. Zwischenzeitlich war auch eine Pause angesagt, denn einige Damen waren doch schon etwas erschöpft, so daß man sich kurz auf den Rollatoren ausruhte.

Dann begann der "Anstieg" auf die Straßenbrücke, da von deren Scheitelpunkt aus ein Fahrstuhl zum Bahnsteig hinunter fährt. Dieser Anstieg war sehr schwierig, da der Fußweg dort ziemlich glatt war. An einigen Stellen war zwar Sand gestreut, aber nicht ausreichend. Ein Rollstuhl mit Insassin sollte ebenfalls dort hochgeschoben werden, was unter großem Kraftaufwand auch gelang. Ohne einen starken Mann, der diesen Rollstuhl schob, wäre das nicht machbar gewesen und die Rollstuhlfahrerin hätte vor der Schräge kapitulieren müssen.

Oben angekommen, demonstrierten uns einige Damen die Fahrt mit dem Fahrstuhl. Das war so weit in Ordnung, wenn der Fahrstuhl denn funktioniert. Das ist aber nach Auskunft der BSAG meistens der Fall, obwohl er öffentlich zugänglich ist. Mit Graffitti war er allerdings "verziert". Ein sehbehinderter Herr sagte uns aber, er könne den Fahrstuhl nicht benutzen, er könne die Knöpfe gar nicht erkennen.

Bis zum Fahrstuhl hatten wir eine halbe Stunde für den Weg benötigt. Das ist bei Wind und Wetter und Dunkelheit nicht lustig, auch ist die Gegend da nicht sonderlich belebt. Wenn da jemand stürzt, dauert es möglicherweise lange, bis er gefunden wird. Der Weg zur Bushaltestelle an der Richthofenstraße ist auch durch die Wohnbebauung dort wesentlich sicherer.

Auf dem  Rückweg zum Haus Blumenkamp wurden wir noch über andere Probleme informiert. So macht die Benutzung der Regio-S-Bahn noch mehr Mühe, wenn man ins Mittelzentrum Vegesack möchte. Die Regio-S-Bahn hält am Vegesacker Bahnhof, es ist noch ein Umsteigevorgang notwendig um dann mit dem Bus ins Zentrum zu kommen. Die Linie 87 fährt durch. Weiterhin wurde die Linie 87 gelobt, weil der Bus an der Haltestelle länger halten würde und man so in Ruhe ein- und aussteigen könnte. Die Fahrer seien auch alle sehr freundlich, wurde berichtet.

Die Möglichkeit, an der Haltestelle Kapellenberg einen Bus der Linie 94 zu nehmen, wurde abgelehnt. Der Weg dorthin sei abschüssig und uneben, man habe dort keinen sicheren Halt und könne diese Haltestelle daher nicht nutzen, wurde uns gesagt.

Im Haus Blumenkamp wurde uns dann auch noch erzählt, dass viele Angestellte auf die Linie 87 angewiesen wären und ungerne die Regionalbahn nehmen würden. Nach der heutigen Erfahrung können wir das gut verstehen, denn die Arbeitszeit der Beschäftigten fängt durch Schichtdienste oft am frühen Morgen an oder endet in den späten Abendstunden. Für das überwiegend weibliche Personal ist es sicher nicht sehr beruhigend, in der Dunkelheit durch den Park oder an ihm entlang zu laufen.

Das Fazit der LINKEN in Bremen-Nord: Der Haltepunkt Bahnhof St. Magnus ist für viele Betroffene unzumutbar. Der Weg erfordert zu viel Zeit, die Verbindung in die Innenstadt ist zu umständlich. Die Linke fordert den Erhalt der Linie 87!

(abk)