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24. Juni 2010

Algenzucht bei der Müllverbrennungsanlage

Am 23.6. wurde mit großem Aufwand und unter Beteiligung von Umweltsenator Loske der "Startschuss" für eine Pilotanlage auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage Heizkraftwerk Blumenthal gegeben. Auf einer Fläche von 500 qm hängen Plastikfolien, die im unteren Teil mit Wasser und Algen gefüllt sind und 50 cbm von dieser Flüssigkeit aufnehmen können. Durch die Zugabe von Rauchgas aus der Müllverbrennungsanlage sollen diese Algen zum Wachsen angeregt werden und durch Photosynthese Teile des im Rauchgas enthaltenen Kohlendioxids binden. Auf dieser Fläche können damit jährlich 5000 kg Algentrockenmasse entstehen und angeblich 10 000 kg Kohlendioxid verbaucht werden.

Aus den gewonnen und dann getrockneten Algen kann man dann Ausgangsstoffe für verschiedene Produkte, u. a. Treibstoffe und Baumaterialien, gewinnen. Angeblich übt diese Anlage keinerlei Schädigungen auf die Umwelt aus, es gelangt nichts in Luft oder Wasser. Ob man allerdings in Baumaterialien wohnen muß, die durch den Einsatz von Kohlendioxid gewonnen wurden, und ob dieses Kohlendioxid dann aus den Baumaterialien oder anderen aus den Algen hergestellten Produkten wieder entweichen kann,  blieb offen.

Betrieben wird die Anlage von einem Zusammenschluss aus der Firma Phytolutions GmbH, der Müllverbrennungsfirma BREWA wte sowie der Jacobs University Bremen. Finanziert wird der Versuch von der WirtschaftsförderungBremen (WFB) aus Mitteln des euopäischen Programms zur Förderung anwendungsnaher Umwelttechniken (PFAU).

Zu beobachten wird sein, wie sich diese Anlage weiter entwickelt. Die Müllverbrennungsanlage ist bislang ja nicht gerade durch Umweltfreundlichkeit, sondern eher durch das Gegenteil aufgefallen. So könnten auch ganz andere Absichten hinter dieser Algenzucht stecken. Die Müllverbrennungsanlagen haben noch für einige Jahre Bestandsschutz, aber was ist danach? Soll die Müllverbrennungsanlage mitten im Ort unverzichtbar werden, da ihre Rauchgase für die Algenzucht und damit möglicherweise für Arbeitsplätze gebraucht werden? Man wird hier wachsam sein müssen und kann sich auch weiterhin fragen, warum der Müll aus Diepholz und Bassum nun unbedingt im Blumenthaler Zentrum verbrannt werden muß - Algen hin oder her.