12. Februar 2018

Die Ehrung ermordeter Widerstandskämpfer eignet sich nicht für kleinliche Rechthabereien

Schon im Jahr 2012 hat der Nordbremer Beirat des Stadtteils Blumenthal einstimmig beschlossen, dass der von Nazi-Faschisten enthauptete KPD-Widerstandskämpfer Leo Drabent geehrt werden soll, beispielsweise durch eine Straße oder einen Weg. Weil aber fünf Jahre lang nichts passierte, stellte vor einigen Wochen nun eine Bürger*innen-Initiative um Gerd-Rolf Rosenberger an zwei Fußwegen im Lüssumer Quartier insgesamt vier Schilder auf, die an den Ermordeten erinnern. Dies fand das Blumenthaler Ortsamt aber nicht so nicht gut und forderte die BI auf, die Schilder wieder abzubauen.

"Natürlich stimmt das Argument, dass es nicht dem ordnungsgemäßen Verfahren entspricht, wenn eigenmächtig Wege benannt werden" kommentierte Karl Brönnle die Anordnung der Behörde. "Im konkreten Fall müssen jedoch auch die Umstände betrachtet werden, insbesondere dass nach über fünf Jahren von offizieller Seite immer noch nichts erreicht wurde. Nachdem jetzt Wege für eine Ehrung gefunden wurden, diese allein aus formalen Gründen wieder in Frage zu stellen, ist angesichts des Schicksals der ermordeten Leo Drabent und Hans Neumann grotesk unangemessen", so der Ortsverbandssprecher der LINKEN in Bremen-Nord

"Der Umgang der Parteien mit der Ehrung von Widerstandskämpfer*innen wird nicht nur in Bremen und Blumenthal verfolgt, wie der Leserbrief des Schauspielers Rolf Becker in der Norddeutschen vom 7. Februar 2018 belegt", so Brönnle weiter. "Die kommende Beiratssitzung wird nun zeigen, ob den Parteienvertreter*innen korrekte Verfahrensabläufe bei einer Beschilderung wichtiger sind als der Einsatz des eigenen Lebens gegen die Nazi-Diktatur."

In Bremen-Nord kommt es inzwischen leider vermehrt zu Anschlägen auf antifaschistische Erinnerungskultur-Symbole. So haben Unbekannte beim Bunker Valentin "Stoppt den Schuldkult" hinterlassen, zusätzlich wurde am Jenny-Ries-Platz vor dem Bahnhof ein Schild übermalt. Jenny Ries war eine Blumenthaler Kauffrau jüdischen Glaubens, die 1942 im Alter von 75 Jahren in Treblinka ermordet wurde. Aus diesem Grundes demonstrierten am Wochenende über 450 Menschen im Norden Bremens gegen faschistische Übergriffe und rechte Schmierereien. [mh]