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19. Juli 2010

"Vernichtung durch Arbeit“ – Ein Informationsbesuch beim „Bunker Valentin

Die Parlamentsferien nutzen die Abgeordneten Inga Nitz und Peter Erlanson für eine ausgedehnte „Sommertour“ durch die Stadtteile. Ganz unterschiedliche Orte und Institutionen wollen die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion und der Vorsitzende der LINKEN in der Bürgerschaft in den kommenden Wochen gemeinsam unter die Lupe nehmen.

Erstes Ziel war der „Bunker Valentin“ in Bremen-Nord, genauer: in Rekum, direkt an der Landesgrenze zu Niedersachsen. Das bedrohliche Relikt aus dem Dritten Reich – einst für den U-Boot-Bau konzipiert und bis zum Kriegsende Leidens- und Sterbeort von mehreren Tausend Zwangsarbeitern - wird noch bis zum Jahresende von der Bundesmarine als Depot genutzt. Derzeit verhandeln das Land Bremen und der Bund über die künftige Finanzierung von Erhaltungs- und Sicherungsmaßnahmen. Parallel  erarbeitet eine Projektgruppe in der „Landeszentrale für politische Bildung“ im Auftrag des Bremer Senats ein Konzept für eine künftige Nutzung des Areals als „Denkort“. Im September 2010 sollen erste Ergebnisse  der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Die Dimensionen eines der größten jemals in Europa errichteten Bunkers sind gewaltig. Die Grundfläche entspricht mit circa 36.000 Quadratmetern etwa fünf Fußballfeldern. Selbst in der Sommerhitze strahlen die meterdicken Mauern aus Spannbeton eine fast unnatürliche Kälte aus.

Und nicht nur der Betonkoloss ist ein historischer Ort. Das riesige Gelände, das sich von der Weser bis ins niedersächsische Schwanewede erstreckte, verfügte über eigene Kaianlagen, Rohrleitungen für die gewaltigen Mengen des benötigten Flüssigbetons und einen eigenen Bahnanschluss. Bis zu 20.000 Zwangarbeiter schufteten hier Tag und Nacht.

Die beiden Abgeordneten der Bremer Linksfraktion waren tief beeindruckt von diesem schrecklichen Ort. Still verharrten sie am Mahnmal „Vernichtung durch Arbeit“, das vor den hoch aufragenden Bunkermauern fast pittoresk wirkt. Der Bremer Künstler Fritz Stein hat die Betonplastik genau auf die ehemalige Trasse der einstigen Marinebahn platziert, die einst auch für Deportationszüge genutzt würde. Ein sprechendes Sinnbild für das unvorstellbare Leiden und das tausendfache Sterben der Häftlinge und Zwangsarbeiter an diesem Ort.

Inga Nitz und Peter Erlanson sind sehr gespannt auf die Vorschläge, die die Projektgruppe in der Landeszentrale dem Senat im September unterbreiten wird. Und sie wollen alsbald wiederkommen: Im September 2010 soll eine Fraktionssitzung auf dem Bunkergelände allen Abgeordneten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Linksfraktion Gelegenheit zu einer intensiven  Auseinandersetzung mit diesem düsteren Kapitel bremischer Geschichte und mit der künftigen Nutzung des Bunkers Valentin geben.

Dr. Dieter Fricke (Text und Fotos)