21. Februar 2017

Schulleiter aus dem Westen schlagen erneut Alarm: Situation an den Schulen hat sich weiter zugespitzt

Seit Tagen kursiert ein Papier, das die SchulleiterInnen der Grundschulen und des ReBuZ West im Beiratsauftrag geschrieben haben. Die Beiräte des Bremer Westens wollen wissen, was sich seit dem sog. ‚Brandbrief‘ vom Januar 2016 verändert hat. Die Bestandsaufnahme ist „so ernüchternd wie dramatisch“, wie Kristina Vogt, Vorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der Bürgerschaftsfraktion DIE LINKE, erklärt: 

„In den letzten Monaten habe ich die Grundschulen sowie einige Oberschulen in Gröpelingen mit der Befürchtung besucht, dass die Situation sich nicht verbessert hat. Das Papier der Schulleitungen bestätigt diese Vorahnung leider. An den elf Grundschulen im Westen gibt es inzwischen nur noch drei besetzte ZuP-Leitungsstellen (Zentren für unterstützende Pädagogik). Das ReBuZ (Regionale Beratungs- und Unterstützungszentren) hat statt 20 Stellen im Beratungs- und Diagnostikbereich nur 12,8 – und das, während die Fallzahlen im Bremer Westen kontinuierlich steigen (von 1.188 im Schuljahr 2014/15 auf 1.843 im Jahr 2016). Beratung für Schülerinnen und Schüler mit Hilfsbedarfen bedeutet teilweise langjährige Begleitung. Fälle sind nicht mit ein oder zwei Gesprächen abgeschlossen, sondern werden dauerhaft unterstützt. Ein Bürgerschaftsantrag meiner Fraktion, die Stellen für Beratung und Diagnostik auf 68 Vollzeitstellen aufzustocken, wurde im Dezember 2015 zwar an die Deputation für Kinder und Bildung überwiesen, dort aber endgültig beerdigt. Diese Ignoranz rächt sich nun bitter.“ 

Die Anzahl der SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist im Westen und v.a. in Gröpelingen überdurchschnittlich hoch. Es gibt dort Schulen, an denen 20 bis 25 Prozent der SchülerInnen einen Förderbedarf haben, im Vergleich dazu liegt der festgestellte Förderbedarf in Schwachhausen bei 8 Prozent. Hinzu kommen Schüler mit sozial-emotionalen Entwicklungsbedarfen, mehr SprachanfängerInnen als in anderen Stadtteilen und inzwischen auch viele Kinder, die in ihren Herkunftsländern nicht alphabetisiert wurden. 

Vogt: “Das eigentliche Problem ist in dem Papier der GrundschulleiterInnen ‚versteckt‘: Zu viele Stellen im Westen sind unbesetzt. In Zeiten des Fachkräftemangels entscheiden sich Lehrkräfte unter diesen Bedingungen lieber für andere Stadtteile. Wen wundert‘s. Die Lehrkräfte und Studierenden, die an den Schulen in Gröpelingen arbeiten, gehen oft an die Grenzen ihrer Kraft, um die Kinder und Jugendlichen angemessen zu fördern. Dies muss vom Senat endlich anerkannt werden. Wer als Lehrkraft in deutlich mehr der gesetzlich vorgeschriebenen Fallkonferenzen sitzt, muss endlich Entlastung bekommen. Dies ist nicht nur im Sinne einer Anerkennung der dort geleisteten Arbeit wichtig, sondern auch zur Sicherstellung des Bildungsauftrags. Es hilft nichts: Es braucht deutlich stärkere Zuweisungen für bestimmte Schulen, die konsequente Doppelbesetzung und eine Entlastung der Klassenleitungen. Nur so kann man diesen Schulen und damit den Kindern, Eltern und Beschäftigten helfen. Stadtteile mit besonderen Aufgaben brauchen nicht die gleichen, sondern mehr Unterstützungsangebote. Wie viele Brandbriefe müssen denn noch geschrieben werden, damit diese Botschaft endlich ankommt?“