6. Dezember 2016

Keine Verunglimpfung von Arbeitenden und ihren Tätigkeiten

Die Linksfraktion Vegesack weist den Vorwurf zurück, Ein-Euro-Kräfte und deren Arbeit im
Geschichtenhaus zu verunglimpfen. Es wurde in der Originalversion der Pressemitteilung nicht
explizit behauptet, dass die dort arbeitenden Menschen in Kostümen auftreten müssen, sondern
lediglich dargestellt, dass es möglich ist, sie dazu zu zwingen. Auch wurde nicht behauptet, die
Schauspielerei in Kostümen sei lächerlich. Aber es gibt Menschen, die sich bei einem Auftritt in
einem Kostüm lächerlich vorkommen würden. Ein Eingehen der bras auf die Wünsche der
Teilnehmenden im „Köksch un Qualm“ und in den Geschichtenhäusern ist begrüßenswert und
sollte nach Ansicht der Linksfraktion Vegesack eine Selbstverständlichkeit sein.

Nicht alle Menschen, die zu einer Tätigkeit gegen ihren Willen verpflichtet wurden, gehen mit
ihrem Fall an die Öffentlichkeit. Daher bleibt die Freiwilligkeit mancher Teilnehmenden ungeklärt.
Von Freiwilligkeit kann die SPD nur dann reden, wenn es kein Sanktionsmanagement mehr gibt.
Andere Teilnehmende haben Spaß an der Schauspielerei. Diese Leute sind besonders gefährdet,
„in ein Loch zu fallen“, nachdem sie die Anerkennung und den wohlverdienten Applaus genossen
haben.

Beschämend ist, dass es sich im Umgang mit Leistungsbeziehenden immer um
Herrschaftsverhältnisse handelt. Menschen können zu Arbeiten gezwungen werden, zu denen sie
aufgrund körperlicher und persönlicher Einschränkungen sowie ihrer fachlichen Qualifikation nicht
geeignet sind. Dies wird weiterhin von der Linksfraktion Vegesack kritisiert.
Beschämend ist, das es überhaupt Ein-Euro-Jobs gibt. Jede Arbeit verdient gleichermaßen
Anerkennung und damit auch eine ausreichende Vergütung. Es stellt sich die Frage, worin die SPD
die Anerkennung der Arbeit in den Ein-Euro-Jobs sieht.

Eine Achtung der Arbeit von Teilnehmenden an sog. Beschäftigungsmaßnahmen würde in der Umwandlung von Ein-Euro-Jobs in Armut verhindernde, sozialversicherungspflichtige und unbefristete Stellen mit regulären
Arbeitsverträgen bestehen, auf die sich dann diejenigen, die z. B. Spaß an der Schauspielerei
haben, freiwillig und ohne Sanktionsdruck bewerben können.

Damit bekämen auch die Menschen im Geschichtenhaus und ihre Arbeit die Würde und
Anerkennung, die sie verdienen.

Sabri Kurt
Britta Littke-Skiera
Ulrich Stuwe