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Unfassbar – Raimund Gaebelein ist tot

Mit tiefer Bestürzung haben wir den plötzlichen Tod unseres Genossen Raimund Gaebelein zur Kenntnis genommen. Ray hat uns seit 2003 im Beirat Gröpelingen vertreten, die letzten Jahre in der Funktion des stellvertretenden Beiratssprechers. Wir haben einen leidenschaftlichen Antifaschisten und Freund verloren.

Antifaschist, Genosse, Kämpfer, Friedensfreund, Mahner, Aktivist, Gröpelinger - Ein Nachruf, geschrieben von Christian Gloede und Bernd Brejla:

Wir trauern um Raimund Gaebelein, der in den frühen Morgenstunden des 28.6. gestorben ist. Seit einigen Wochen ging es ihm nicht gut, sein Magen machte ihm Probleme; aber nur wenige Termine sagte er ab, noch in der letzten Woche nahm er an der Beiratssitzung in Gröpelingen teil.

Ray, wie ihn viele nannten, wurde 1947 in Marburg/Lahn geboren, ging dort zur Schule und machte sein Abitur. Von 1967 bis 1973 studierte er an der Philipps-Universität Geschichte, Politik und Philosophie.  Er wollte Lehrer werden, absolvierte sein Referendariat im hessischen Hünfeld. Dort teilte man ihm mit, dass eine Einstellung nicht in Frage käme – Berufsverbot! Ray war damals Mitglied der DKP…

Er ging für ein Jahr nach Nordirland (Derry) und arbeitete dort mit obdachlosen Jugendlichen. Vielfältige politische und persönliche Kontakte zwischen Marburg und Bremen brachten ihn dann 1978 in die Hansestadt. Hier arbeitete er bei Sozialverbänden und freien Trägern als Sprachlehrer und in sozialarbeiterischen Bezügen. Noch bis zuletzt unterrichtete er Geflüchtete.

Von Beginn an engagierte sich Raimund in der antifaschistischen Arbeit. Erinnerung wieder zugänglich machen. Unter dem Faschismus verfolgten Menschen und ermordeten Zwangsarbeitern wieder ein Gesicht geben. Alten wie neuen Nazis entgegentreten durch Bildungs- und Erinnerungsarbeit. Er war Mitglied der VVN und seit 1991 Vorsitzender der Landesgruppe Bremen, als Nachfolger von Willy Hundertmark. Mit ihm gemeinsam entwickelte er auch Konzepte der „antifaschistischen Stadtrundgänge“. Ray war verantwortlicher Redakteur der Zeitung „Der Bremer Antifaschist“.

Ray suchte immer die Nähe zu Schulen, war stets ansprechbar, um die Erinnerungsarbeit zu begleiten. Er initiierte und unterstützte Zeitzeugenprojekte. Hier stellte er Kontakte her. Exemplarisch mag hier sein Verdienst um den Erinnerungsort „Schützenhof“ in Gröpelingen stehen, ein Außenlager des KZ Neuengamme. Hierhin wurden noch 1944 zahlreiche Menschen aus dem flämischen Meensel-Kiezegem verschleppt, die bis auf wenige Ausnahmen alle ermordet wurden. Raimund organisierte seit Jahren Treffen und Veranstaltungen hierzu.

Untrennbar sind mit ihm die jährlichen Gedenkfeiern zur Novemberrevolution und zur Erinnerung an die Bremer Räterepublik verbunden. Dabei war Raimund immer die Verständigung auch und gerade unter den Linken wichtig. Er war oft Vermittler zwischen den Seiten. Unvergessen sein Bemühen um ein gemeinsames 100. Rätegedenken auf dem Waller Friedhof. Hans Koschnick war als Redner nicht für alle tragbar…

Ray war Knotenpunkt und Stern der antifaschistischen Bewegung und Vernetzung in Bremen. Dabei konsequent, aber nie ausgrenzend, sondern immer versucht zu integrieren, wenn es möglich erschien.

Mit ihm sind zahlreiche und beeindruckende Gedenkveranstaltungen verbunden, wie "Menschen gegen Rechts" am 30. Mai 1994 auf dem Bremer Marktplatz, ein Jahr nach dem feigen Mord von Neonazis in Solingen oder die große Demo 2006 gegen den NPD-Aufmarsch in Gröpelingen.

Raimund hat auch immer „Politik vor Ort“ gemacht. Seit 2003 im Beirat Gröpelingen, die letzten Jahre als stellvertretender Beiratssprecher, damit einer der wenigen Linken mit Sitz und Stimme in der Beirätekonferenz. Auch dies dokumentiert seine parteiübergreifende Akzeptanz.

Seine Klugheit, Freundlichkeit und Verbindlichkeit, wie sein Beharrungsvermögen, sein Fleiß und seine Akribie in der Arbeit waren unschätzbar und sind unersetzlich. Raimund wird dieser Stadt, dieser Partei und der Bewegung fehlen in einem Ausmaß, dass noch gar nicht zu ermessen ist.

In unseren Gedanken sind wir eng bei Marion und allen Familienangehörigen.

Ruhe in Frieden, lieber Ray.