Antworten des Bauressorts auf von der Linken initiiertes Auskunftsersuchen des Beirats zeigt deutlichen Anstieg von Mietpreisen in Walle – Stadt muss jetzt gegen Verdrängung vorgehen und für bezahlbaren Wohnraum im Stadtteil sorgen!

Auf Initiative der Linksfraktion hatte der Beirat Walle in seiner Februar-Sitzung ein Auskunftsersuchen zur Situation des Wohnungsmarkts im Stadtteil beschlossen. Die nun vorliegenden Antworten decken Ortsteil-spezifische Entwicklungen auf.

Die Wohnkosten belasten viele Haushalte immer mehr. Die Menschen im Land Bremen sind dabei laut einer Studie des Paritätischen Gesamtverbands bundesweit am stärksten von Wohnarmut betroffen. Vor diesem Hintergrund hat die Waller Linksfraktion einen umfangreichen Fragenkatalog an die Baubehörde formuliert, der vor kurzem beantwortet wurde.

Die Ergebnisse zeigen, dass im Stadtteil Walle die Wohnkosten in den letzten fünf Jahren überdurchschnittlich gestiegen sind. So haben sich die Angebotsmieten in den Jahren 2021 bis 2025 in Walle um 30 % erhöht, in einzelnen Ortsteilen sogar um bis zu 38%, im Bremer Durchschnitt jedoch nur um 23 %. Besonders betroffen davon sind insbesondere die Ortsteile Walle (38%), Osterfeuerberg (34%) und Utbremen (32%).

Gleichzeitig ging die Zahl der Sozialwohnungen zurück. 2025 gab es im „alten“ Walle, ohne Überseestadt, nur noch 169 geförderte Wohnungen, deren Zahl perspektivisch noch weiter abnehmen wird.

Die Wohnraumbedarfsprognose macht deutlich, dass Walle der am stärksten wachsende Stadtteil ist. Bis 2031 werden circa 1700 zusätzliche Wohnungen benötigt, die durch die prognostizierten Neubauten nicht gedeckt werden.

Anna Fischer von der Waller Linksfraktion betont, „Wohnen muss bezahlbar sein, auch und gerade in Walle. Die deutlich überdurchschnittliche Steigerung der Angebotsmieten sind einerseits ein Ausdruck der hohen Attraktivität des Stadtteils, aber eben auch eines Mietmarkts, der nicht ausreichend reguliert ist und solche Steigerungsraten zulässt. Es lässt sich kaum begründen, warum die Mieten in diesem Maße steigen müssen. Und es sorgt im Endeffekt für Verdrängung von Menschen mit geringem Einkommen, die diese Preisentwicklung nicht mehr mitgehen können. Dieser Gefahr muss entgegen gewirkt werden!“

In diesem Kontext sei auch zu beachten so Fischer, dass in Walle circa 3000 Haushalte von „Wohntransfers“ abhängig sind, also Wohngeld oder Mietübernahme durch das Jobcenter oder Sozialamt. „Für viele Menschen ist der Verlust des Jobs, eine deftige Mietsteigerung oder ein anderer Schicksalsschlag in diesem Mietmarkt nicht mehr zu kompensieren, weil es einfach keine Alternativen gibt – das zeigt auch die Zahl der 56 Zwangsräumungen, die es in Walle seit 2023 gegeben hat. Der Verlust des Zuhauses bedroht in den meisten Fällen die eigene Existenz – hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden!“

Jörg Tapking, der baupolitische Sprecher der Waller Linken, begrüßt, dass die Baubehörde die Anfrage seiner Fraktion schnell und umfassend beantwortet hat. „Es ist deutlich, dass das Thema bereits hohe Aufmerksamkeit genießt und es eine gute Grundlage gibt, gemeinsam für bezahlbaren Wohnraum in den Stadt- und Ortsteilen zu sorgen“ so Tapking. Zu begrüßen sei ebenfalls, dass die Bürgerschaft auf Initiative der Linkfraktion die Schaffung einer Miet-Meldestelle beschlossen habe. „Bei der Dynamik der Mietsteigerung liegt nahe, dass ein relevanter Teil der Mietsteigerungen gegen die Mietpreisbremse verstößt, die Mieten also mehr als 10% über dem Mietspiegel liegen. Die Miet-Meldestelle kann Mieter*innen perspektivisch dabei unterstützen, ihre Miete zu senken und im Falle von deutlich überhöhten Mieten auch ordnungs- und strafrechtlich gegen dreiste Vermieter vorzugehen.“

Trotzdem gebe es Themen, bei denen deutlich stärker hingeschaut werden müsse. Die Leerstandsquote (hier bezogen auf den Zensus 2022) hält Tapking für nicht hinnehmbar: „521 Wohnungen, die länger als 3 Monate leer standen zum Zeitpunkt des Zensus und davon 280, die länger als 12 Monate leer standen, sprechen eine deutliche Sprache. Hier geht es um Wohnraum, der dem Mietmarkt entzogen wird. Egal ob der Hintergrund Spekulation, Überforderung oder andere Herausforderungen sind, Eigentümer haben die Verantwortung den Wohnraum nutzbar zu machen. Die Stadt muss insbesondere strukturellen Leerstand entschiedener bekämpfen – im Notfall durch Enteignung, wenn Eigentümer sich weigern, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.“

Die Waller Linksfraktion wird das Thema in der nächsten Bauausschusssitzung am 22. Juni auf die Tagesordnung setzen.